10. März 2010
"Schulbücher sind oft emotionalisierend und marktkritisch"
Studie zeigt marktfeindliche Grundhaltung sowie tendenziöse Darstellung wirtschaftlicher Zusammenhänge in Schulbüchern:Im Auftrag des Liberalen Instituts hat das Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut in Kooperation mit der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt eine
Studie vorgelegt, die sich mit der Darstellung der Marktwirtschaft in Schulbüchern befasst. Die
Studie trägt den Titel „Die Darstellung von Marktwirtschaft und Unternehmertum in Schulbüchern in Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz“.
Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd. Im Vergleich zu Studien, die sich mit derselben Problematik beschäftigten und die in den Jahren zuvor durchgeführt wurden, ist keine deutliche Verbesserung eingetreten. Viele Darstellungen tendieren zur Emotionalisierung und unterlassen die notwendige Differenzierung zwischen normativen und sachlichen Aussagen. Das moralische Ziel sozialer Gleichheit wird in vielen Schulbüchern unreflektiert vorausgesetzt und “Verteilungsgerechtigkeit” höher bewertet als “Leistungsgerechtigkeit.”
Die Unterschiede zwischen den Schulbüchern in der Schweiz und in der Bundesrepublik fallen dabei weniger ins Gewicht als die Unterschiede zwischen den verschiedenen Fachbuchgenres. Die Studie untersuchte Erdkunde-, Geschichts-, Politik- und Wirtschaftsschulbücher.
Wirtschaft erscheint in den Lehrmaterialien oft als Nullsummenspiel, in der der Gewinn des einen mit dem Verlust des anderen gleichgesetzt wird. Besonders in Erdkundebüchern werden Themenkomplexe wie Unterentwicklung und Globalisierung oft mit Marktkritik und der Forderung nach Umverteilung verbunden. Die institutionellen Rahmenbedingungen und die negativen Folgen der Entwicklungshilfe für die wirtschaftliche Entwicklung und Freiheit werden hingegen oft nicht in ausreichendem Maße gewürdigt.
In Geschichtsbüchern geschieht das gemeinhin im Zusammenhang mit der Darstellung der Industriellen Revolution. Dabei wird dieser Themenkomplex häufig so dargestellt, als sei die Industrialisierung die Ursache der sozialen Probleme gewesen, die Armut der vorindustriellen Zeit bleibt hingegen in vielen Fällen unerwähnt. Die Schulbücher im Fach Politik weichen in ihrem Grundtenor nicht stark von denen für die Fächer Geschichte und Erdkunde ab. Lediglich die Schulbücher für das in Deutschland selten angebotene Fach Wirtschaft müssen eindeutig positiv herausgestellt werden. Der Unternehmer als Pionier und unabhängig handelndes Individuum mit Vorbildcharakter, kommt – wenn überhaupt – jedoch in allen Schulbuchgattungen nur am Rande vor.
Der Autor der Studie, Justus Lenz, kommt zu dem Fazit: „Die Vergleiche zwischen den einzelnen Fächergruppen, zwischen deutschen und schweizerischen Büchern und zwischen den Analysen älterer und neuerer Schulbücher zeigen deutlich, dass es noch viel Raum für Verbesserungen gibt.“ Deshalb fordert der Autor bei der Neukonzeption von Schulbüchern die aufgezeigten Mängel dringend zu berücksichtigen, um zu einer besseren Darstellung von wirtschaftlichen Themen für den Unterricht zu kommen.
Zur Schulbuchstudie.
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